Archive for the ‘gegenwärts.’ Category

Und zögere bloß nicht.

Wednesday, January 16th, 2019

Sie kritisiert deine Frisur? – Lass dir die Haare färben wie sie.
Sie schimpft über Rihanna? – Fang an, Rihanna zu hassen.
Sie braucht deine Leber? – Mach einen Termin beim Chirurg.
Sie möchte ein Date mit deiner Liebe? – Zieh ihm sein bestes T-Shirt an.
Sie findet deinen Urlaub gut? – Überschreib ihn ihr.
Sie hat ihre Wohnung zerlegt? – Biete ihr deine an.
Sie will dein erstes Kind? – Gib es ihr.
Und sag irgendwas mit „von Herzen”.

Erntformation.

Sunday, December 30th, 2018

Es war ein winziger Schnitt. Selbst der Haarspalter, der mit dem Mikroskop daherkam, äußerte sich nur vage. Kaum traute sich Erntge das Glauben, bestärkten sie sogleich die drei austretenden Blutstropfen. SIE hatte nur einmal angesetzt: ein kurzer, lustvoller Stich in die Ferse. Weh tat es nicht. Es kribbelte nur sehr, als SIE geschwind die spitzen Finger zwischen Haut und Fleisch schob und das letztere vom ersteren trennte. Ganz sauber stülpte SIE Erntge um. Erst den linken Fuß, linke Ferse, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel. Dasselbe auf der rechten Seite. Kehrte Erntges gesamtes Inneres nach außen. Kein Organ war mehr an seinem Platz, einige baumelten verzückt vor der nun sichtbaren Wirbelsäule. Erntge hatte mit mehr Sauerei gerechnet, aber die Angelegenheit kam ihr nun ziemlich sauber vor. „Die Schleimhäute musste bisschen feucht halten, am besten viel Ostsee, das Salz schützt dich auch vor Infektionen.”, raunte SIE, als sie Erntges Augen nach außen drehte. Dass SIE einen exakten Plan zu haben schien, beruhigte Erntge ungemein: „Gut.” Erntge schaute sich um. Auf dem Regal waren noch diverse Utensilien, mit denen sie gleich dekoriert werden sollte. Geduldig, weil vorfreudig, ließ sie alles über sich ergehen.

„Eins noch,“, sagte SIE, nachdem alle Utensilien an ihrem Platz waren, „du musst noch einen Umschlag ziehen.“ In IHREN Händen hielt SIE zwei unscheinbare Umschläge, vielleicht waren sogar Kaffeeflecken auf dem kleineren. „Okay.“ Erntge griff nach dem mit den Flecken und gluckste kurz, als sie auf ihren Unterarm sah. Blaue Adern zogen sich über die glänzende Haut, alle Knochen lagen alle offen. SIE öffnete den Umschlag, lächelte kurz und sagte: „Alles was war, kommt zurück.“ Erntge nickte und fand das reichlich esoterisch. SIE verstand wohl und ergänzte: „Jeder Wutanfall, jede Zigarette, jedes Mal zu spät nach Hause kommen, jede Lüge, alles wirst du noch einmal erleben. Von der anderen Seite aus.“ Erntge nickte wieder und fragte sich, wie sie eigentlich ohne Zeh- und Fußnägel leben sollte. Ihr dämmerte, dass die gemeinsame Zeit mit IHR dem Ende entgegen glitt, deshalb versuchte Erntge sich zu konzentrieren.

„Was ist mit meinem Gedächtnis?“, fragte Erntge also, „wo wird das aufbewahrt? Krieg ich das danach zurück?“ Erntge schauderte. Innen kitzelte es seltsam. Gänsehaut? „Meine wilden Gedanken, die irren Bilder, die Wörter, der Abgrund, wo bleibt das alles?“ Erntge sah auf ihr Herz, das auf einmal kräftiger schlug und das Blut durch die blauen Bahnen auf ihrem Körper pumpte. IHR Blick wurde nachdenklich. Sie sagte: „Du wirst dann im Jetzt sein. Immer. Und das wird gut und nötig sein. Sorge dich nicht.“ Dann lächelte sie ein letztes Mal und verschwand. Erntge träumte IHR kurz nach und machte sich bereit. Das war das Abgefahrenste, was sie je erleben würde, so viel stand fest. Und sie würde nicht allein sein.

Drei Schachteln.

Tuesday, November 27th, 2018

Erntge braucht jetzt drei Schachteln.

Eine für alle schönen Unglaublichkeiten der letzten Wochen. Sie soll dunkelgrün sein, gern samtbeschlagen mit Harry-Potter-mäßig verziertem goldenem Schloss und einem passenden vier Meter langen Schlüssel. Den Schlüssel wird Erntge nicht um den Hals tragen, das wär bescheuert, aber an einem sehr sicheren Ort verstecken und Erntge wird beruhigt sein, dass auf diese Weise nichts in Vergessenheit geraten wird. Vor allem nicht das Gleißende, das Überwältigende und das schier Überbordende.

Eine zweite Schachtel soll es geben für all die kleinen Quittungen körperlichen Verfalls und Erschöpfung. Jede Stunde von Schlafmangel, Rückenschmerz oder Drüsenstau wird quittiert mit einem jeweils blauen Papier. Sie werden allesamt in dieser Schachtel gesammelt. Auch wenn es keinen Pokal damit zu verdienen gibt (oder Walkman, wie damals beim Altpapier), wird die Unmenge an Blaupapier Erntge später trösten, was sie einmal körperlich imstande war zu leisten. Blau empfiehlt sich durchaus auch als Farbe dieser Schachtel. Wegen Corporate design und so.

Eine dritte Schachtel soll es geben für alle neuen Gefühle. Sie könnte, der Hoffnung und Träumerei wegen, von Einhörnern und Regenbögen verziert sein, das wäre nicht kitschig, nicht kindisch, sondern gut so. In dieser Schachtel werden sich alle neuen Ängste, Freuden, Gelassenheiten, Wutanfälle und bisher unbekannte Verzweiflungen die Hand reichen, in welchem Aggregatzustand auch immer.

Dann wird Erntge drittlings aus der Hängematte auf ihre Schätze schauen, lächeln, und sich wie ein sehr reicher Mensch fühlen. Das wird großartig.

Die schönste Auszeit.

Monday, September 24th, 2018

Kommst du im Sackgassendorf an, beiß kurz die Zähne zusammen. Links und rechts wohnen nämlich Quinquin und seine bucklige Verwandtschaft. Lass dich nicht irritieren, fahr weiter übers Kopfsteinpflaster, konzentrier dich aufs Pferd rechts. Ignorier die von den zerrupften Hühnern totgekratzte Wiese, weiter weiter. Am Ende der Straße bist du da. Lass dich von Stefanie drücken, von Ulli kurz anlächeln und pack deinen Proviant in die Schubkarre. Stolper über den Hof, du wirst merken, wie dein Atem ruhiger fließt. Spätestens an der Feuerstelle kannst du ihn sehen, den Bauwagen. Schnell, rein da, stell ab alles. Proviant, Zeitung, Aquarellstifte, die dicken Socken. Nimm die Hand deines Lieblingsmenschen und geh direkt die zwei Stufen hoch, die vom Küchenanbau ins Innere führen. Kurzer Blick auf den neuen Ofen, beim Kamin steht genug Holz für die nächsten Tage. Ab ins Bett, check kurz, ob Bücher oder Fotobände seit deinem letzten Besuch hinzugekommen sind, ein paar, OK. Dann ab unter die Decke, einkuscheln und Augen auf. Alle Fenster wurden für dich und diesen Moment gemacht. Links klappern Birken, vor dir die Rosen, über dir murmeln die Wolken: du bist da.

Jetzt auch noch die Kosmetikerin.

Wednesday, August 29th, 2018


Frau N.  
… aber was hier teilweise läuft, das geht echt gar nicht!

Ernt   Was meinen Sie denn?

Frau N.   Na die Merkel ist doch wirklich unwählbar. Die lässt alles unkontrolliert rein. Diese Massen an Menschen! Die Gewalt. Und was da für Gelder fließen! Wir sind die einzigen, die so blöd sind, schauen Sie doch mal nach Ungarn, oder hier, dieser junge Österreicher, der gefällt mir auch.

Ernt   Frau N., da sind wir beide aber ganz unterschiedlicher Meinung, ich könnte mich sofort übergeben, wenn ich dem Orban zuhören muss.

Frau N.   Was, wirklich? Mhm.

Ernt   (…) Wie viele geflüchtete Personen kennen Sie eigentlich? Was hat sich konkret in Ihrem Alltag verändert?

Frau N.   … na keine kenn ich, aber ich hab doch Augen im Kopf. Ich war letztens in Hamburg, da hab ich doch gesehen, was abgeht. Sie müssen doch mal hinter die Kulissen schauen! Oder gehen Sie doch mal ins Netz! Da gibts ja richtig Theorien drüber, dass Europa islamisiert werden soll, das ist gewollt!

Ernt   Sie wählen AfD?

Frau N.   Hab ich schon. Natürlich! Aber mir gefällt auch diese Sahra Wagenknecht.

Ernt   Frau N., was wäre denn Ihr Wunsch für die Zukunft? Sind Sie dafür, um Europa eine hohe Mauer zu bauen, damit keiner reinkommt und wir das Elend draußen nicht mehr sehen müssen? Ich meine, die Menschen wandern doch seit Jahrtausenden, um bessere Lebensbedingungen zu finden. Und was würden Sie machen, wenn Sie in der Sahel-Zone leben, ihr Haus ist überschwemmt, es gibt kein Wasser oder um sie herum herrscht Chaos und Gewalt?

Frau N.   Was hat denn das jetzt damit zu tun. Nein, nein. Wir beide werden uns nicht streiten, oder?

Ernt   Naja, wenn Sie menschenverachtende und rassistische Anschauungen haben, dann find ich, müssen wir darüber reden.

Frau N.   Waaas? Ich bin doch nicht rechts! Ich bin total gegen Gewalt!

Ernt    Warum denken Sie, Deutsche wären besser als Muslime?

Frau N.   Sag ich nicht, aber die beiden Kulturen passen einfach nicht zusammen. Das mit der Integration ist totaler Quatsch. Die sollen in den Ländern was unternehmen. Die sollen… Frauen sind da gar nichts wert, die Männer benehmen sich nicht, da muss man ja als Frau Angst haben, nachts über die Straße zu gehen!

Ernt   (…) Frauen werden auch von deutschen Männern missbraucht. Die Medien -…

Frau N.   -… so ist genug. Wir wollen uns nicht streiten.

(…)
Frau N.   Die Haut ist aber gut geworden.

Ernt   Ja, die Sonne hat’s gut gemeint.

Freier Fall.

Tuesday, July 31st, 2018


Während sich die meisten Menschen immer schön vom Abgrund fernhalten (Bodenlosigkeit, Verzweiflung, Untergang und so), gibt es eine Frau, die sich dort häuslich eingerichtet zu haben scheint.

Carolein Smit hat in ihrer Ausstellung „L’amour fou“ die fiesesten Familienfotos und Schaurigkeiten in regelmäßigen Abständen an den Abgrund platziert und lädt die Betrachter freundlich ein, sich doch bitteschön hinab zu begeben. Und da muss jede selbst entscheiden, wie weit sie geht. Wer zögert verpasst den freien Fall, den Verwesungstanz, zu dem sich Schönheit und Tod vertraut die Hand reichen.

Erntge hat sich getraut, in Leipzig, wo die Ausstellung noch bis zum 30.9. zu sehen ist. Für die 30 großformatigen Einzelplastiken (aus Keramik) brauchte sie fast zwei Stunden und danach ging auch echt nur noch Badesee. Wie es der Künstlerin gelingt, das Unfassbare, den Schmerz und die Ausweglosigkeit dermaßen eindringlich und ästhetisch in Form zu gießen, bleibt Erntge ein großes Rätsel. Was träumt erst diese Frau, wenn sie solche Plastiken schaffen kann?

An der Oberfläche des Badesees träumt Erntge und genießt oben die Wolken und unten die Vorstellung eines festen Grundes. Carolein Smit, die krasse Alte, bohrt sich durch Schling und Schlang und verfaulte Gase rein ins Dunkel unterm Grund! Schmeckt Modrigkeit im Mund, erträgt Krebsiges im Auge, Vielfüßler zappeln sich durch ihre Nase. Wie hält sie das aus und warum hat sie keine Angst vor dem, was sie dort unten noch nicht angetroffen hat? Dass sie alle ihre Meisterwerke so üppig und fast kitschig bunt dekoriert, macht jetzt total Sinn für Erntge.

Zwei Menschen, zwei Häuser.

Thursday, July 12th, 2018

Sie hatten sich an der Wurzel getroffen. Es brummte und summte so schön im Gras. Im Herbst roch es nach Pilzen und im Sommer lagen sie unterm Rauschen der Bäume. Endlose Tage.

Schließlich verließ sie ihn für die Stadt mit ihrem Labyrinth aus Mauern, Menschengesetzen und Wunderräumen. Ihr begegneten Liebe und Gewalt, manchmal versperrten ihr die vielen Wegweiser den Weg. Selten besuchte sie ihn noch im Wald.

Sein Haus veränderte sich mit jedem Jahr. Nach und nach hatte er Moos und Geäst durch Ziegel und Steine ersetzt. Fragte, wo er Zaunlatten kaufen könne. So schön hohe, die Sonne blende ihn nämlich so schrecklich. Er zäunte alle Weite ein und genoss die Stille.

Sie hatte inzwischen alle Räume der Stadt angeschaut und wählte das Haus, das den Himmel berührte und in dem sich nachts der Wind ausruhte. Hier standen alle Türen offen und nicht selten besuchten sie Amsel, Taubi und alle anderen Flugtiere. Sie fühlte sich angekommen.

Als sie ihn wieder einmal besuchte, grub er sich grad fröhlich ins Erdreich und lobte die dunkle Feuchte, die ihn nun umgab. Mit leuchtenden Augen beschrieb er die beklemmende Enge und Kälte seines Kellers: er halte sich überhaupt nur noch hier auf, das Gezeter und Chaos oben reibe ihn nur auf. Er hatte sich vielerlei Utensilien zugelegt, um Insekten und Leben fernzuhalten. Sie erschrak, als er Asseln und Schlangen direkt vor ihren Augen totschlug. Er hatte ein Regal in die triefende Erde gebaut, wo er Gift, Fallen, kleine Speere, Stacheldraht und Unmengen dieses seltsamen Tranks hortete, der seinen Körper zersetzte.

Anfangs fragte sie noch: vermisst du nicht die Sonne? Das Vogelgezwitscher? Die anderen? Die lustigen Sachen? Die Wunder, die oben passieren? Sein erschütterndes „Nein, verdammt!“ traf sie tief. Die roten Tropfen, die danach häufig von ihrer Lippe fielen, sah man auf dem dunklen Erdboden nicht.

Betrübt kehrte sie heim. Ging in ihren Garten und pflegte die zarte Wurzel. Sie legte Moos aus und schaffte allerlei Geäst und Steinchen herbei für die Insekten. Sie schlief unter blankem Himmel und wünschte, viele Vögel möchten in der Nähe brüten.

Fertilität 5000.

Monday, June 18th, 2018


Erntges grünste Bananenpflanze der Welt ist die Schönste, weil sie seit 6 Jahren über sich hinaus wächst, allerseits Frohsinn verbreitet und im Sommer so schön Schatten spendet. Wir lieben sie.

Erst passierte das Fast-Unfassbarste: Banani reproduzierte sich selbst und inzwischen gedeiht auch die zweite Ablegerin prächtig. Und nun geschieht aber das wirklich Aller-Unfassbarste: Banani hat eine unglaublich rot-violette Blüte rausgeschoben und die ersten vier Miniaturbananen leuchten zitronengelb durchs Butzi! Uaaaah!!

Bittersüßes Sein! Dieses Wunder des Lebens vollzieht sich nämlich genau im Lebensabend vom geschätzen Pflänzelein: nach Blütenpracht und Fruchtstand wird sich Banani leider zum Sterben zusammenrollen und abdanken. Wir schauen ihr gespannt dabei zu und machen uns klar das endlose Spiel vom Werden und Vergehen.

Abschlussrede, feierlich.

Saturday, June 9th, 2018


Und jetzt macht dass ihr weg kommt. Haut endlich ab. Schmeißt eure Salamis an Muttis Fotowände, reihert ihren Teppich voll, zündet den von mir aus an. Mir egal jetzt mit den Hausschuhen. Ich hab hier lange genug Kontrolletti gespielt, eure dumpfe Überheblichkeit kotzt mich nur noch an. Ich möchte nicht mehr für euren Stumpfsinn geradestehen. Für eure Weigerung, weit oder überhaupt zu denken. Macht das selber, ihr seid alt genug.

Und das ist leider auch kein Punk, was ihr da macht, das ist… keine Ahnung, mir fällt dazu nichts ein. Außer vielleicht feige, formlos, muffig, lahm. Mein Problem ist, dass ihr euch für die Größten haltet und euch so irre ausruht im Schutz der Wand, die ihr als Gemeinschaft bildet und die alles abhält was hinterfragt, kritisiert oder hinweist. Einzeln seid ihr leider so arme Würstchen, ganz verunsichert, ängstlich und unselbständig.

Und dass man euch nicht böse sein darf, das ist fast das Schlimmste: „Die armen, armen Opferlein, was sie alles durchmachen müssen: Pubertieren, sich selbst finden, eine eigene Meinung ausbilden, – und immer unter diesem Druck der sozialen Netzwerke, komm gib ihnen noch eine Chance.” Na klar.

Und noch eine. Und noch eine. Und wieder eine, es wird fast lächerlich. Sechs Jahre lang habe ich versucht euch zu verstehen, anzuregen und zu schützen. Hab euch (hochgradig unprofessionell, ich weiß) mit nach Hause genommen, zahllose Nächte verpasst. Verziehen hab ich euch und ertragen. Und dafür seid ihr mir nichts schuldig, das war meine Entscheidung. Dass ich mir einbildete, mein Handeln könnte etwas bewegen, ist mein Problem, nicht eures. Nur dass es jetzt zum Schluss noch mal so einen Arschtritt von euch gibt, das tut mir weh. Deshalb geb ich euch jetzt auf. Tschüß.

Mich habt ihr genug provoziert, herausgefordert und beschämt. Ich scheiß auf eure scheiß Afd-Plakate, ich scheiß auf eure scheiß Strafanzeigen, ich scheiß auf eure scheiß Beleidigungen. Mein einzig positiver Gedanke an eure Zukunft ist, dass sie hoffentlich nichts mit mir zu tun haben wird. Ich trau euch nichts zu. Ihr habt mich maßlos enttäuscht, haut ab.

Zen im Taubenschlag.

Monday, May 21st, 2018


Das Sofa steht jetzt woanders. Hier gibt es keine Türen. Vorm großen Fenster plustert sich diese Friedenstaube in die Dachrinne und schaut uns zu.

Auf dem Sofa nehmen nacheinander andere Menschen Platz. Taubi und wir schauen uns die an. Ihre Fältchen, ihre Münder, ihre Hände. Immer andere.

Wenn wir genug haben, schauen wir vom Balkon den Vögeln bei der Arbeit zu und essen dazu Salat. Wir betreiben Fellpflege, alle Läuse direkt in Taubis Futterschale. Taubi teilt auch mit den Nachbarn.

Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir alles, was kommt, tatsächlich halten können, vielleicht sogar lässig. – Dann erschrecken wir uns kurz, – dann geht die Türklingel, – dann kommen wieder Menschen.

So geht das und so soll das weitergehen.