Archive for the ‘gegenwärts.’ Category

Zen im Taubenschlag.

Monday, May 21st, 2018


Das Sofa steht jetzt woanders. Hier gibt es keine Türen. Vorm großen Fenster plustert sich diese Friedenstaube in die Dachrinne und schaut uns zu.

Auf dem Sofa nehmen nacheinander andere Menschen Platz. Taubi und wir schauen uns die an. Ihre Fältchen, ihre Münder, ihre Hände. Immer andere.

Wenn wir genug haben, schauen wir vom Balkon den Vögeln bei der Arbeit zu und essen dazu Salat. Wir betreiben Fellpflege, alle Läuse direkt in Taubis Futterschale. Taubi teilt auch mit den Nachbarn.

Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir alles, was kommt, tatsächlich halten können, vielleicht sogar lässig. – Dann erschrecken wir uns kurz, – dann geht die Türklingel, – dann kommen wieder Menschen.

So geht das und so soll das weitergehen.

Versuchen und -sprechen.

Sunday, May 6th, 2018


Versprich mir, dass du dann dein Glück nicht in meinem suchen wirst.
– Ich verspreche es dir.

Versprich mir, dass du die Kraft finden wirst, nüchtern glücklich zu sein.
– Ich verspreche es dir.

Versprich mir, dass du auch bei mir bleibst wenn es unbequem wird.
– Ich verspreche es dir.

Soll ich auch irgendwas versprechen?
– Bitte bleib wer du bist.
Okay.

Time’s absolutely right, Alter.

Thursday, May 3rd, 2018


Alle schwarzen Katzen mir nach – nach links!
Alles Geschirr ausm Schrank – lass krachen Schepper’n’Polter!
Alle Marienkäfer auf die Kleeblätter, die vierblättrigen!
Alle Möwen Achtung Achtung – jetz scheißen was das Zeug hält!
Hier is nu Schluss mit amorph, verquollen und bla, es geht ab!

Kick und Abflug.

Thursday, December 14th, 2017

Seit die Krähe Erntge im Vorbeiflug wuchtig auf den Helm trat ist Vieles anders. Es kommt Erntge vor wie ein klirrendes Theaterstück an Seilen. Auf Seilen. Tanztheater wohl, denn viel schwankt vor und zurück und wieder vor und mal zur Seite. Dennoch tut die Bewegung viel Gutes, vor allem weil: sie ist endlich da. Denn so ein Stillstand kann auch weh tun und – ist immer Schritt zurück.

Erntge ist sich sicher, dass es sich gleich ausgeschaukelt hat. Erntgewegen darf sich dann gern endlich aller Umstand ändern.

Für die Machtkisten aus der Seifenblase gibts im sechsten Akt ein holpriges Kistenrennen. Publikum, Luftballons, Zuckerwatte – und plötzlich haben alle Spaß an den rostigen Kahlauern und den quietschenden Pullerpausen. Die besonders verwackelte Seifenkiste wird unter grölendem Gebell mit Hausschuhen beworfen. Ernst steht unten in der Ecke und schmollt.

Während des Spektakels merkt Erntge, dass sie längst entzaubert ist. Alle Bewegungen des Theaterspiels beherrscht sie zwar. (Nur selten passiert ihr Taumelei auf dem Seil.) Doch Erntge glaubt nicht mehr ans Spiel. Da soll nun Neues her. Gern auch für ne Weile Tetris.

Was es auch sei und wo es auch stattfinden mag: bereit ist Erntge und grüßt alle Krähen freundlich. Übrigens sind die gar nicht so schwarz wie man so denkt, sondern schillern in allen Farben bei Sonnenlicht.

In Bahnen im Kreis.

Thursday, October 12th, 2017


– Nein, Erntge. Das ist kein Blut. Die Flasche muss defekt gewesen sein, der Boden ist abgesprungen als du oben gedreht hast– das ganze Wasser ist direkt auf dich drauf. Ja, Wasser. Is dunkel, deswegen siehst du’s nicht. Ja. Kalt auch. Nein, nein, keine Scherben, leg dich wieder hin. Komm her zu mir, hier ist noch trocken. Schlaf weiter, Erntge.

– Nein, das ist kein Blut auf deiner Windschutzscheibe. Starkacke ist das. Du bist doch eben direkt durch diesen Megaschwarm gebrettert, weißt nicht mehr? Das war ein Geklapper, Wahnsinn! Die Stare, die sammeln sich doch jetzt im Herbst hier auf den Feldern, die machen sich startklar für den Abgang in den Süden. Ja, Stare. Quatsch, nix gebrochen, mach den Scheibenwischer an, guck!

– Ja, das ist Blut, Erntge. Aber nich deins. Der Typ ist direkt in dich reingebrettert mit seinem Fahrrad, was fürn Idiot. Ja, ja, auf den Bordstein ist der geknallt, aber kiek, er muss in den Blaulichtwagen, nicht du. Komm, ich trag dein Fahrrad nach Hause.

– Ob das Garuda ist, der da mit dir fliegt? Keine Ahnung, sieht bisschen so aus. Kannst du hören, was er sagt?

Chimäre. Verzückung. Fall. – Und jetzt?

Friday, September 8th, 2017


Das Morgen hatte sich Erntge anders vorgestellt. Fröhlicher, trubliger, immer so mit latentem Schmetterlingsgeklapper im Bauch – und alles neu. Ein bisschen Angst, klar, aber man kennt sich ja inzwischen und grüßt freundlich. Ob Erntge das noch mal hinkriegt mit den Erwartungen?

Es kam also alles anders. Unten aufschlagen bedeutet nicht gleich Erdung. Manchmal ist es das Gegenteil davon und das Aufrichten langwierig. Zeit ist gut und Freunde sind gut. Verkriechen ist gut und irgendwann doof. Also: kurz schütteln, Krone wieder auf und weiter.

Was sich Erntge noch fragt: wer gewinnt das nächste Match. Die schöne Illusion oder das schnöde Trugbild? Feine Träumerei oder fiese Täuschung? Zauberland oder Irrtum? Erntge muss sich träumen trauen.

a.

Wednesday, July 19th, 2017


i put my enough of living

in catching the essence

of the knowledge: i’m a.

now i speak to the not simple and not.

Brux.

Thursday, June 22nd, 2017

Hi. Mein Name ist Brux. Ich bin ein krasser Typ. Ich setz mich nicht, ich dominiere Mobiliar. Ich hinterlass Eindruck. Auf Stühlen, auf Bänken, auf Fußböden.

Was ich mag: alles Enge. Gequetschtes! Ich drücke meine Freunde und Feinde bis wir verschmelzen. Ich drücke nachhaltig. Alle Frauen unter mir sind platt. Mein Fetisch: verdeckte Kleinkinderwasserrutschen, in die man mich hineinstopft. Es geht nicht vor und nicht zurück und das Pressen beginnt, bis die Halsschlagader pulsiert und ich nach Luft schnapp. Geil. Ich liebe alles Zwanghafte und Geschnürte. Was sich nicht bewegt, hab ich unter Kontrolle. Ich benötige nicht, ich nötige. Jaaa! Kanten! Ich liebe Kanten und blaue Flecken und beim Autofahren stecke ich manchmal meinen Kopf links aus dem Fenster und betätige dann den elektrischen Fensterheber bis ich würg.

Was ich hasse: alles Wabernde, Amorphe. Und Gedichte. Mein Albtraum: gefangen in einem Raum voller Esotheriker. Orange-getünchtes Licht und Yoga und dann noch irgendwo so eine peinliche Buddha Statue oder Gandhi Fotografie. Schlaffkoscheiße! Am besten noch hier… mit Räucherstäbchen, Päh. Ich hasse alle Reformschulen, Engel in Gärten und die Spacken in den Wellness Oasen.

Ich habe viele Fans. Ne Menge Leute liken mich auf den angesagten Plattformen. (haha, „Platt”-formen!) Meine Leute heißen Bruxisten. Manche Spackoärzte halten Bruxismus für ne Krankheit oder so, die peinlich therapiert werden soll. Alles Schwachsinn! Bruxisten, das sind die einzigen, denen es noch um was geht im Leben. Die Biss haben, man. In dieser ganzen verschissenen Schwachmatenscheiße.

Because recklessness is the only fist to throw at nothingness.*

Monday, May 8th, 2017

Schemen lähmen.
Hälse wagen.
Lahme nehmen.
Erntges klagen.
Nicht.
Warten, warten, ab in Garten
Wär doch Temperatur!
Lesen, lesen, nichts gewesen
Traumhafte Fabulatur.

* Foer, Jonathan Safran, Here I am, Penguin Books, 2017, p.387

„Das verbittere ich mir.”

Monday, April 17th, 2017


Jonathan Safran Foer steht neben Erntge, als die beiden Fahnen gehisst werden. Die obere repräsentiert die Insel Poel, die untere das Ostseebad und mit ihnen schwingen sich jetzt die genau zwei Akkorde des Heimatliedes in den aufgeregten Osterhimmel. Der Schnauzbart posaunt Winkel und Fahnenabrieb bei Wind. Erntge versteht nix von Mathe und als sie kurz schwach in sich zusammensackt, packt sie Foer und schüttelt: „Hier! Hingucken! Mitmachen! Das ist der Stoff, aus dem meine Bücher sind. See the parallels to stetl? Hier kannste live dabei sein, Erntge. Nich immer nur geschützt liegen, ausgeliefert steh doch mal!”

Erntge versucht. Echt. Kampfberechtigt. Siegerteam. Der Ostseewind pustet erst das Heil Ei auf 10,45m und dann alle Gäste in den Kronensaal. Hier steht die Luft. Und es glitzert von der Wand. Das Gift in den Geschichten der Gastgeber absorbiert Erntge so gut sie kann filtert und filtert und stinkt schließlich, dass sich alle Nasen rümpfen. „Jonathan, I don’t get it… what’s just happening here?“ Doch Foer steht gar nicht zur Verfügung! Skizziert mit weit aufgerissenen Augen die Tafel. Er steckt fest: er betrachtet fasziniert das Mädchen im Hochzeitskleid, das jetzt von der Gesellschaft mit Kakerlaken beworfen wird. Ihr Lächeln ist Metall. Die Biegung steht fest. Der angehende Bräutigam lächelt dünn und schiebt eine Ausreißer-Kakerlake wieder Richtung Mädchen.

„It’s a play isn’t it? I mean, it’s not real, is it?“ Erntge sieht in die vertrauten Gesichter. Das Offenste ist zu und schweigt schön. Das Klügste zeigt Erntge die Falte, in die ganz klein alle Spielregeln gekritzelt sind und zwinkert vergnügt. Das Vernünftigste trinkt so schnell, dass es schon leuchtet. Endlich kommt Foer und lächelt heiter. „Of course it is. Like everything is. You know that. So what’s the big deal?“ Ähm, also mitspielen? Passiv abnicken. Dass niemand stinkende Leute mit Knitterstirn mag, das weiß sogar Erntge. Wer macht das Fenster auf?