
… Fusion-Vorbesprechung im strömenden Regen? Hmm! Was soll das nur bedeuten? Erntge übt jedenfalls schomma Kaffeekochen und vorfreut sich auf Oase und seine ihre harten Gäste. Ab 28.6. in Lärz.

… Fusion-Vorbesprechung im strömenden Regen? Hmm! Was soll das nur bedeuten? Erntge übt jedenfalls schomma Kaffeekochen und vorfreut sich auf Oase und seine ihre harten Gäste. Ab 28.6. in Lärz.

Erntge wird bald Klassenlehrerin. Jaha! Und noch lacht Erntge selbst drüber. Gegengecheckt wird erst wieder im September. Was noch? Erntge kann sich immer noch nicht zwei-, auch nicht dreiteilen und hätte gern mehr Zeit.
Nichtsdestotrotz, hat sie am Wochenendanfang geschafft, eine Kulturlücke zu schließen, wegen der Erntge im Vorfeld schockierte Blicke und strenge Mahnungen kassiert, ja beinahe einen Generationenkonflikt in der WG heraufbeschworen hatte! Also nu is die jedenfalls zu, die Lücke, und zwar dank toller Festivalität im noch tolleren Peter-Weiss-Haus: Quetschenpaua ist jetz Yok und hat Erntge gekricht. Wegen seiner feinen Wort-Zaubertricks na und natürlich wegen seiner Quetsche. Weiß nich, weiß nich, schwarz aber auch nich. Ha!
Ansonsten kann Erntge nu auch betreut Parkett verlegen, das Wichtigste dabei: es muss im Ohr scheppern. Doll. Dann wird’s ganz großartig und macht Herzen hüpfen und auf jeden Fall wohnt Erntge bald in der tollsten Butz der Welt, das ganz klar.

Noch frustrierender als der Umstand, dass Erntgos großartiges Monika-Herz-Wanderplakat von den Mitbewohnern täglich unsubtiler mit Müslipackungen, Saftkartons und Benzinkatuschen zugestellt wird, sodass es höchstens noch erahn-, aber schon lange nicht mehr sichtbar ist, also jedenfalls nicht in seiner überbordenden Schönheit und Richtungsweisung… äh. Also noch frustrierender ist eigentlich nur Roberto Bolaños 2666. Auf Seite 598.
Oh man. Dabei war Erntge so beglückt gewesen, so entzückt, so berauscht! Am Anfang. Von Sätzen, die sich waghalsig über sieben Seiten hangelten. Von rasanten Bildern und fetziger Story und schnittigen Chiasmen und überhaupt, der Roberto, der hat eimfach ma die gesamte Palette drauf und wirkt so klug entspannt und weise.
Danke Roberto! Für das Sterbendländliche in Morinis Erschöpfung (173), für die Übertreibung als Form höflicher Bewunderung (180), für die heitere Aussicht selbst nicht zwischen Pantophobie (der Angst vor allem) und Phobophobie (der Angst vor den Ängsten) entscheiden zu müssen (504ff) … na und für das:
Ich weiß nicht, was mich bewogen hat, hierherzukommen, sagte sich Amalfitano nach einer Woche in Santa Teresa. Du weißt es wirklich nicht? Du weißt es wirklich nicht?, fragte er sich. Ehrlich, ich weiß es nicht, sagte er zu sich selbst, und das sagte eigentlich alles. (219)
Alles ganz toll. Aber nu! Ist seit 200 Seiten Kack. Frauenleichen über Frauenleichen, tausende Schicksale, tausende Berufszweige, tausende Figuren geben sich alle drei Sätze Klinken in Hände, um danach niemals wieder aufzutauchen. Erntge hat sich das angeguckt. 200 Seiten lang. Kann auch gut sein, dass da grad was gaaaaanz Großes vorbereitet wird. Was denn aber erst auf Seite 1179 aufgelöst wird? Nä. Nich mit Erntge. Die hat genug, mit Monika genug zu tun….

„Wollen wir küssen?“, fragte Valesko und kratzte sich am Arm. „Gute Idee!“, sagte Statiska, „Wann denn?“ Valesko setzte sich auf seine Hinterbeinchen und überlegte: „Am Nachmittag hab ich bestimmt die Wand fertig zugemoddert, noch ab in Teich – danach?“ – „Hm…“, überlegte Statiska, „die Mollusken muss ich abholen und noch die Laubfrösche bespaßen und denn Mäuse verdienen.“ Valesko sah klug nach oben links und faltete schön seine Stirn. „Morgen?“ Statiska packte Tang und Steinchen in einen Beutel. Sie sagte: „Ja, morgen ist gut.“
(Fortsetzung folgt.)

Seit Erntge kleinen Jungs Sägen und Bohren beibringt, traut sie sich auch das mit den Zahlen zu. Bilanz, Leute! Erntge wird nämlich 5. Erinnert sich kurz und vor allem an Flugzeuge und Bahnhöfe und ewige Zwischenwelten. Und… – ach nee, Bilanz jetz!
Atlantiküberquerungen: 1
Umzüge: 3
Runde Geburtstage: 1
Tauchgänge: 8 oder 9
Austernessen mit Milan Peschel: 1
Kennengelernte Trotzkisten: 1
Gekündigte Jobs: 1
Vorstellungsgespräche: 4
Gefundene Jobs: 1
Kaputte Herzen: 1
Reparierte Herzen: 1
Geklaute Fahrräder: 1
WGs: 4
Kreuzfahrten: 2
Verfasste Einakter: 2
Bußgeldbescheide: 1
Gekaufte Autos: 1
Achterbahnfahrten: 2
Gefundene Donnerkeile: 6 (!)
Besuchte Städte Europa: 17
Na hossa! Auf die nächsten fünf.

Vibriert Erntges Stuhl im Einzelzimmer der Kölner Jugendherberge, ist das Setting so neu wie interessant: Erntge ist auf ihrer ersten Klassenfahrt. Von nebenan wummert Metal ins Mark. Schepper und Quietsch um 22 Uhr 04. Wenigstens okaye Mucke, wenn schon so laut. Seit drei Tagen hat Erntge nun schon Hosen an (Ihr wisst schon, die!) und spielt für einundzwanzig Halbstarke Macherin, Helferin und Kontrollinstanz. Denkt sich Spielregeln aus und stellt sich als Angriffsfläche für Reibungen vielfältigster Art zur Verfügung. Große Herausforderung dabei sind kompromisslose Hieb- und Stichfestigkeit und messerscharfe Konsequenz in allem. – Von beidem weiß Erntge wenig. Zum Glück hilft ein Mann, dessen Weitsicht, Sensibilität und mutige Heiterkeit Erntge sehr beeindruckt. Der schafft Einundzwanzig auf einen Streich und lacht dabei.
Entscheidungen müssen immer sofort getroffen werden. Der Ablauf ist immer derselbe: direkter Konfrontation folgt Entscheidung. Zackzack. Wer fackelt verliert. Die Schüler auf eigene Faust durch die Großstadt ubahnen lassen? Schaffen die das mit 13? Hm. -Ja klar, okay! Machen lassen. Vorher noch mal gut erklären. Und Fotos von Erntge im digitalen Gesichtsbuch: nä, will Erntge nich! Also schlüssig kommunizieren, statt nur mächtig verbieten.
Nebenan wachsen einundzwanzig Persönlichkeiten ran – alle anders. Erntge will wach sein für ihre Bedürfnisse und lustig und logisch und vor allem nicht Aufpasserursel. Deswegen fallen ihr auch jeden Abend ab 22 Uhr die Augen zu und kein Markmetal der Welt kann sie dann noch erschüttern. Sollen sie doch hüpfen und feiern zur gequälten Klampfe und groß werden. Mal sehen, wer von ihnen es morgen zum Frühstück schafft. Erntge wird jedenfalls da sein.

… is ja nich oft. Aber wenn, denn richtig. Erntgo hat nu wieder zweiundvierzig Kinder. Und dazu deren bunte Welten, die alle (!) anders sind und manchma sehr schnelllebig. Ja genau, wie schnell das immer geht. Dramen! Wenn Kessi zum Beispiel nich mehr mit Doreen spricht. Immer Tränenfontänen. Mit Zisch und Dampfschwaden. Wenn ernt dann endlich, nach langem samtbehandschuhtem Haken und Beruhigen, die Sachlage geknackt hat, sind alle Gewitterwolken samt Krokodilstränen längst verzogen und nur noch Erntges Nervenkostüm steht ab in Fetzen. Das. Und dann die Mädels, die sich zum Tränenfontänen auch noch aufm Klo einschließen. Puh! Und die drei kleinen Prinzessinnen, die immer genau auf Erntges offene Stelle pieksen. Und denn aber auch noch die Rackerboys, die alles werfen, was fliegen kann. Uah. Erntge muss noch viel lernen… isse an der Schule ja eigentlich genau richtig. Oder wie.

Und ihre schnöden Studenten, die trantütig heute weder Torte noch Blumen noch Schnaps anboten. Pfff. Voll abgelost! Quäl sie, Anna, mit schönen Zungenbrechern dank geliebter Wochenzeitung.

Erntge ist glücklich. Auch wegen der sinnigen Alliteration, die nu kommt und stimmt. Helfende Hände heiterer Helferlein hauchen Heimarbeit hurtig Heldigkeit ein. Spachteln und Kleistern frustriert allein. Nämlich! Zu vielen jedoch, mit anbeier Grinserei und angemessenem Biervorrat – isses eimfach spitze auf der Leiter. Und wenn dann noch eine diebische Elster krachend Metal röhrt und sich auf dem versifften Boden trollt, dann ist Erntges kleines Heimwerkerinnenglück perfekt. Jippiii.

Isses eim drinnen zu eklich, kann man sich auch raussetzen. In die Sonne nämlich. Wo die Vögel grad so zawitschern. Und nein, Leben muss nich wehtun.