Ankommen.

August 29th, 2010

Das Wo erkunden.
Das Jetzt begreifen.
Das Selbst justieren.
Das Wie gestalten.

Was da ist: Postkarten aus der Vergangenheit. Ein hell lachendes Präsens. Und die ungewisse Zukunft. (Die ist übrigens für alle gleich. Egal wo.)

Einen Pullover, den kann mensch übrigens auch als Hose tragen. Das sieht zwar komisch aus, geht aber und hält warm. Muss ernt aber erst drauf kommen! Oder geraten kriegen, wenn die eigene Phantasie grad anderweitig schweift. Nach einer Woche draußen (Wasser von unten, von oben, von der Seite), kommt Erntgi wieder an und will auch aufs Außen vertrauen. Das Innere genießt nämlich noch seinen Urlaub: trollt prall auf der Wiese! Da wo Schweine sonnig grunzen, Schafe debil blöcken, Hunde treudoof bellen und Katzen seidig schnurren. Da wo Paddel schwingen, Hände schulterklopfen und wo ein buntes Wir juchzend die Wahrheit singt.

Das will Erntgi! Regen aufs Zelt prasseln hören! Denen zujubeln, die ihres direkt am Wasserfall aufbauen. Die Motorboote meiden und sich auf fetzige Stromschnellen freuen. Erntgi will auch weiter über Schatten springen. Und sich selbst aussuchen, über welche.

‚Das könnt so hinhaun’, denkt sich Erntgi und liebt weiter.
Bis sie da ist.

FF und Munter Monika.

August 19th, 2010

Zwölf Tage bis Prekariat. Der Regenschirm überm Gemüt wurde noch mal ordentlich festgetüddelt und die Löcher mit Gaffer überklebt – so hält der schon noch. Zahlen sollen weiter kühn ignoriert werden. (Muss sich Erntgi noch mal überlegen bis wohin kühn geht und ab wann bang anfängt und was überhaupt dazwischen liegt.) An die Zahlenmauer hagelt’s jetzt jedenfalls massiv Buchstaben. Manche bleiben nämlich kleben und verhängen so freundlich den kalten nackten verkackten Zahlenmauerbeton, an dem sich nicht ein einziges Pflänzchen wachsen traut.

Gute Buchstaben gibt es zum Beispiel bei „Keynkampf“ von Key Pankonin. Kann man sich gut mitnehmen, an die Ostsee zum Beispiel. Vor blauweißwindiger Kulisse finden sich flugs und kinderleicht die schönsten Buchstaben (kleine, große, dicke, zarte, helle, schützende, lächelnde, grüne und rote) zum gegen die Zahlenmauer schmeißen. Das ist gut und funktioniert vielleicht auch mit Pilzen? Das testen wir einfach in der nächsten Woche. Hier besonders schöne Buchstabenfolgen aus Pankonins Büchlein von 1993:

- der, die, das FF
- Ichfunktion vs. Exfunktion
- Lichtpeter
- das Fleisch- und Wurstsortiment auf die Klampfe tackern
- Stanniolpapier
- Welche FKE ist die richtige?
- sich bei Selbstgesprächen versprechen
- Novemberfrau
- Aber Hacke ist viel zu international und verliebt, um aufzugeben.

Was isses?

August 11th, 2010

Drei Tage hats gedauert. Fein vorgeplant hat zum Glück wer anders. (Äh, im Übrigen auch gestichsägt, gebohrt, gehämmert, ge… eigentlich alles.) Moment. Nein! Zweidrei Schrauben hat auch Erntge festgezurrt und nu? Trocknet noch das Klebzeug und denn is fertig. Was isses?

Balin, ick liebe Dir. Schon jetz.

August 3rd, 2010

Leute, jetzt ist es.

So. Und nicht mehr weit. Jetzt ist es endlich einfach passiert. Einen letzten Nantaiser Strandtag gab es, mit lieben Gesichtern und einer Extraportion Carameleis (jaja, das mit dem Salz aus der Guerande, schmatz) und dann fetzte es zurück. Nach hier. Erntgo steuert Wagen jetzt auch gern selbst. (Yeah!) Wenn man übrigens durch Belgien fährt, (ich weiß jetzt wieso die Autobahnen dort beleuchtet sind!), steht auf jedem, auch noch so kleinen Kaff-Schild, was es zu besichtigen gilt:  Burgen, Kirchen, Museen usw. usf. Außer bei eim. Bei Waterloo. Da steht kein einziger Hinweis für Besichtbares drauf, nix. Ganz nackig starrt das Schild schon vom weitem und fällt deswegen noch mehr auf. Hm!

Und nun also Berlin. Der Einstieg war heiter: mit der halben WG ging es auf eine sonntägliche Bootstour auf den Plötzensee, in den wir uns im Anschluss auch warfen und juchzten. Und whatta Kulturenklatsch beim nachträglichen Bierchen auf dem Anlegesteg! So ein Migrationshintergrund, der kann, also … es muss ja auch nicht immer gleich Rütli sein! Das sprachliche Missverständnis hätte perfekter nicht sein können: während die eine Gewichtsüberschuss für das ramponierte Ruderboot befürchtete, missverstanden die anderen das persönlich und das Chaos war perfekt. Erntgi klatscht in die Hände und ist bereit, hier alles zu lieben. Den Kiez, wo direkt gegenüber Brötchen frisch gebacken werden, wo nebenan der Kulturverein sitzt (man erkennt ihn am Teppich vor der Tür, der einzige mit Ohrensessel und Nichtschwimmerbassin für Kinder drauf) und wo die Eckkneipe sich täglich füllt mit netten Menschen. So soll das sein.

Und so isses auch.

Nächster Versuch.

July 25th, 2010

Aha. Dann also nochmal von vorn. Ein bisschen schawenzelt’s ja immer, das Leben. Und manchmal prischt es eben volle Kanne auf eine Erntge herein. Getüftelte Pläne und feste Vorhaben: werden zerfetzt oder mitgerissen. Wohin ist unklar, das spielt keine Rolle. Okay, dann also alles anders! Eine Schnapsnacht, ein Krankenhaus, eine Solofahrt, einen Wasserrohrbruch und ein Vorstellungsgespräch später ist also wieder Uhrenvergleich und wieder alle Zeiger auf Null und wieder: kann es losgehen! Also liebes Leben, bitteschön, Erntges kleine Revolution 2010 findet statt, kannste glauben, sieh zu!

Balanz! Balanz.

July 19th, 2010

(Einen Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland unterschrieben. Mutti sagt: „Ich beneide Schafe.“ — Vier Stunden lang und wiegend Quatsch erzählt, Wärme ausgestrahlt. Das Baby hörte sich alles an und vergaß zu schreien. — Das ganz spezielle Trauma überlebt, (was drüber gelebt). Nun aber Krankenhäuser dringend meiden. — Christa Wolfs Kassandra versucht. Weggelegt und ganz fremd in der eigenen Sprache gewesen.)

Morgen schließt Erntge ihr altes Leben ab. Ein bisschen wackelig ist die Angelegenheit. Der Mut streichelt der Angst jedoch immer wieder freundlich über den Kopf und flüstert Liebes. Von unten das Nass: kalt, aber ohne Drohgebärde. Schwindel neckt mit der Angst vor dem Fall. Doch Erntges Stirn entkraust, der da ist wenn das Licht angeht. Dessen Nähe hält, wärmt und nach vorn zieht. – „Is okay, kann losgehn!“

Hier, nicht da.

July 13th, 2010

Eins zwei drei und ab. Zack ragen schief Beinpaare aus der Ostsee: große, kleine, dünne, dicke, welche mit Haaren, welche mit ohne. Ein helles Kinderlachen gesellt sich zum Zisch des frischkühlen Pils. Frisbeescheiben und Bälle grüßen sich kurz über der Wasseroberfläche. Und Essen knirscht. – Ein Zeltwochenende und Geburtstagsjubelfest liegen hinter uns. Am Ostseestrand, dem schmerzlich Vermissten: wo der Wind das Gestern langsam verweht. Wo alles funkelt: die Sonne beim Auf- und Untergehen und alle Sterne. Erntgi ist wieder zuhause. Sieht sich satt und liebt und liebt und liebt. Jede Muschel, jede Welle, jede Wolke am Endlos-Himmel, das Gelb der Heuballen auf den Feldern, den feuchten Waldboden unter den nackten Füßen, das Lokalradio – und diese irre Geruchsmischung aus Räucherfisch, Butterkeks und Sonnenmilch. Das gibt’s wohl nur hier. Zuhause.

Alles in Istanbul.

July 6th, 2010


Erntge kannte mal einen Limerick; da ging’s um einen der sich fragte, ob er das zänkische Weib Xanthippe besser in den Bosporus stippe. Und das war alles: vage Ahnungen und ein paar alte Geschichten der Lateinlehrerin… fern und wenig konkret. Und jetzt? OHA, alles anders, denn Erntge war in Istanbul! Der Bosporus, meine Damen und Herren! Der lebt. Wellt und heitert munter vor sich hin so zwischen links Europa und rechts Asien und unten Marmara- und oben Schwarzes Meer. Das ist eigentlich ganz schön krass. Und sehr aufregend auf den Fähren in alle Richtungen.

Und dieses Istanbul! Metropole auf zwei Kontinenten, aktuell Kulturhauptstadt und hinter Mumbai bevölkerungsreichste Stadt der Welt. Istanbuls Geschichte reicht bis in die Antike, ist griechisch, römisch, osmanisch, türkisch. Diese Stadt, in der es mehr Viertel als Minarette gibt, ist riesig und voller Gegensätze. Man findet alles in Istanbul: Protz, Prunk und Pomp natürlich. Mehr Dreck, Lärm und Chaos. Wolkenkratzer gibt es und eine sterile Metro und Wasser und Berge und Armut. Wie im Rausch klappert’s sich durch den Teerverkehr, in Taxis und in Dolmuş’ und immer geht alles ganz schnell und mit Huperei. Busfahren ist sehr schwer. Dafür gibt es jede Menge Temperatur. Der Englischschlüssel ist kein generaler! So viel Leben und Input: unbedingt hin da und wegfegen lassen!

Der Bosporus verbindet das Marmarameer mit dem Schwarzen Meer zwischen Europa und Kleinasien. Er ist ungefähr 30km lang. Zwei große Brücken führen drüber. Eine Bootstour drauf ist super, kostet 20TL und verspricht Wind umme Nase und bronze Haut. Kurz vorm Schwarzen Meer (A. Kavagi) kann man die Reste einer Burg erklimmen und diesen tollen Ausblick genießen. Bier trinkt man denn zum Beispiel da:


Es staunt sich nicht schlecht in der Hagia Sophia, dem letzten großen Bauwerk der Spätantike: die Hauptkirche des byzantinischen Reiches von höchster Bedeutung für die orthodoxe Christenheit wurde mit der Eroberung Konstantinopels (1453) zur osmanischen Hauptmoschee. Heute ist die Hagia Sophia ein Museum, in dem man die gesamte Geschichte des Bauwerks sehen kann: viele muslimische Elemente wurden erhalten und einige christliche Elemente wieder freigelegt.

Nummer Eins auf der Todo List jedes Touristen ist der Topkapı-Palast: hier haben die Sultane zu Zeiten des osmanischen Reiches gewohnt, gewaltet und gepoppt. Im Harem, is klar. Auf dem Foto überlegt sich ein gealterter Tourist bestimmt grad, wie es sich damals hier so als Sultan gelebt haben muss mit dieser beispiellosen Panorama-Aussicht auf den Bosporus auf 69 Hektar so mit bis zu 5000 Leuten. Oder?

Das mit dem Harem ist ja irgendwie total spannend! Hier lebten also die Frauen der Sutane. Die Sultanmutti, die osmanischen Prinzessinnen, die Hauptfrauen, die Konkubinen, die Haremsdienerinnen, -schülerinnen und -sklavinnen. Am meisten Einfluss hatte natürlich Mutti, wie überall, sie übte zusammen mit Lieblingsfrauen vor allem im 16. und 17. Jahrhundert entscheidenden Einfluss aus. Die Kinder des Sultans wohnten übrigens auch im Harem und im Kamin eines Kinderzimmers kann man noch schwach die Logos der damaligen Fußballclubs sehen. Wenn eine Haremsbewohnerin auf dem Rücken lag, hatte sie eigentlich ne ganz gute Aussicht, könnte man meinen:

Überall in Istanbul rennen wild Katzen und Hunde rum. Auch vor den Wolkenkratzern oder auf dem Unicampus. Die tun nix und pennen die ganze Zeit. Mitten im Weg. Manche sehen echt mitgenommen aus, zerfetzt. Andere sind mopsfidel und reproduzieren sich heiter. Gebellt wird selten, gegen den Straßenverkehr zieht selbst der Bär unter den Hunden (!) oder der Tiger unter den Katzen den Schwanz ein.

Und irgendwie isses dann aber auch wie in Kreuzberg. Backgammon spielen, Shisha rauchen, Kaffee trinken und Arbeit nich so ernst nehmen.

Präsens = Zukunft.

June 27th, 2010

Du nimm das Fahrrad, der Toaster is leider schon weg. Hier Aktendullis nä! Immer gern genommen. Klar is der geil, der Staubsauger. Aber schon wem versprochen. Das Ikea-Dings mit Anweisung zum wieder Auseinanderschrauben geb ich dir am besten auch gleich mit, man weiß ja nie. Türkisch? Nee, kann ich noch nich, aber ich kenn ein, der kann bis zehn zählen. Äh, merhaba oder so? Mhm. Ja nee Telefon is abgestellt jetz. Aber email kannste immer. WG ja. Wedding. Prekariat und so, kennste ja. Na morgen abend nochma zum Trotzkisten penn und denn endlich ab die Post. Istanbul! Jahaa! Iiiiiii-Stannn-Buuu-Huul!! Geilomat. Hui, hier wärmegewitterts übrigens gleich, noch kein Regen aber es grummelt schon. Mit Pauken und Trompeten bitte.

Doppelknoten in der Warteschleife.

June 15th, 2010

Der Zeiger zeigt die Zeit. Ticktack noch 14 Tage. Ganz ruhig ist es plötzlich geworden und alles in Erntges Händen ist Abschied. Nix ist schlimmer als Abschiede, die sich ziehen. Will jetzt gern aufstehen und gehen, bleibt aber sitzen und sühlt sich und wühlt sich und beguckt Töpfe, Regenschirme und den ewig-unverzicht-personal-kleinkram. Soll das mit? Weg? Kann man das digitalisieren? Da ist ein Stern auf der Musikanlage, links oben neben dem Markennamen. Der fällt Erntge erst jetzt auf. Die Anlage gabs damals statt Jugendweihe. Weiß sie alles noch. Verdammte Quälerei, Erntge hängt fest in der Warteschleife! Wie haut man der Zeit die Zähne raus?