Wenn Verzehren verzerrt.

May 27th, 2024

Oder: Der Abgrund unter dem Abgrund.
Oder: Was soll das.

Die Büchse war eigentlich total unscheinbar gewesen. Eine simple kleine graue Dose, bisschen Rost. Pandora stand jedenfalls nicht drauf. Nagut, so genau hatte Nt auch nicht hingeschaut. Nt war so leer gewesen, dass sie sich nach etwas Inhalt verzehrte, fast egal was. Ein fernes Lächeln, ein verjährter Witz, eine kleine gewesene verbale Streichelei? 

Dass diese Büchse dann den wenigen Inhalt, der überhaupt noch da war, so elendig verzerrte, konnte niemand ahnen. Nt jedenfalls nicht. 

Wenn so ein bescheuerter Clown jack-in-the-box-mäßig aus einer Büchse springt, dann sagt man huch, lacht kurz und macht weiter. Taucht urplötzlich jedoch die nach Verwesung stinkende, eiternde Fratze eines Dämons aus der Unterwelt auf, ist plötzlich alles anders. Die Übelkeit verbreitet sich in Lichtgeschwindigkeit und kontaminiert das gesamte Zimmer und die ganze Wohnung die Hälfte des Hausflurs für alle Ewigkeit. Gestank und Schreck bleiben auf Lebenszeit. 

Heute werden die meisten Büchsen für den gezielten Fernschuss hergestellt. 

Wäre Nt nicht so leer und durcheinander gewesen, hätte sie das gewusst. Nt weiß, dass man sich von bestimmten Dingen fernhält. Nt konnte aber nicht widerstehen. Diese unscheinbare Büchse, nur ein kleiner Blick, come on, gimme nur ein Fünkchen Erinnerung, ein bisschen relea-hea-ease? 

Fuuuump. – Touché. 

Nts Erschütterung war unmittelbar und referenzlos. Mit reißender Wucht katapultierte der Dämon sie urplötzlich in den Abgrund. Der Schmerz durchkrachte Nt voll. Der Dämon zeigte eine markerschütternde Grimasse aus fauligen Zähnen. Fäden seines sauren Speichels brannten Nt kleine Löcher ins Gesicht. Während des Falls versuchte Nt zu begreifen, dass es unter dem Abgrund, dessen Oberfläche sie erst im Begriff zu entdecken gewesen war, einen weiteren Abgrund gab, statt doppeltem Boden gab es also doppelten Abgrund unter ihren Füßen? Sie spürte den eisigen Hauch, schmeckte das modernd-Faulige, fühlte Todesangst, – Aufprall, Dunkelheit. 

Das war vor 2 Wochen. Nt kann wieder gehen und es geht. Nt schafft es, in einigen Momenten nicht daran zu denken. 

Bis es wieder aus dem Waschbecken röchelt. Aus der Steckdose schmiert. Unter der Spüle pulsiert. Bis es wieder unter dem Kopfkissen wimmelt. Aus den Lautsprechern fault. Bis die Schrankwand wieder schwankt und sich die Personen auf den Fotos beginnen zu bewegen, wie Zombies. Nts Zuhause ist keins mehr.

Aber. Jetzt. Aber.

April 10th, 2024

Pferde sind wahnsinnig gute Tiere. Wegen ihrer Größe machen sie Eindruck und kaum jemand begegnet ihnen nicht mit dem nötigen Respekt. Pferde strotzen vor Kraft. Daher auch die Einheit Pferdestärke, die misst wie viel Arbeit ein Motor in einer gewissen Zeit verrichten kann. Ein Pferd kann unglaublich schnell und sicher laufen und zwar über alle möglichen Arten von Gelände. Wetter stört ein Pferd überhaupt nicht. Im Gegenteil, Pferde wissen andauernd voll gut bescheid. Manchmal sogar schon bevor ein Mensch sich überhaupt nur einen Begriff von was machen kann. So nutzten die Slawen zum Beispiel Pferde als Orakel: beobachteten genau deren Wiehern und Schnauben in bestimmten Situationen und werteten dies dann als Vorzeichen und Hinweis für oder gegen was. Pferde sind die aufmerksamsten. Weil ihre Augen seitlich am Kopf liegen, können sie 350° gucken. Also fast im Kreis. Ihre Ohren lassen sich um 180° drehen, weshalb sie in jede beliebige Richtung gezielt hören können. Pferde sind neugierig. Sie interessieren sich für Menschen. Das muss man ihnen hoch anrechnen! Pferde sehen auch noch gut aus. Sie sind elegant, lässig, strahlen Ruhe aus und Zuversicht. In der Antike war das Pferd symbolisch mit dem Tod verbunden: schaute ein Pferdekopf auf der Abbildung eines Helden zum Fenster rein, bedeutete das den nahenden Tod dieses Helden. Neun Siebenundzwanzigstel der gesamtweltlichen Mythologie besteht aber aus pferdeähnlichen Wesen (oder werden von solchen begleitet) und immer kommt das Pferd dabei gut weg. Und Hufeisen bringen übelzt viel Glück. Und mit Trojanischen Pferden lassen sich sogar ganze Schlachten gewinnen. Und das Einhorn ist auch ein Pferd.

Deshalb! Will Nt auf eins. Nt will unbedingt auf ein Pferd. Will auf dem drauf sitzen und genau fühlen, wie sie getragen wird. Fest im Sattel sitzen in diesem ganzen beschissenen permanenten Geschaukel. Nt will reiten, am besten gleich Galopp. Weit, weiter, noch weiter, weg vom Jetzt. Bitte schnell.

Und als würde es schon reichen, überhaupt nur dran zu denken, steht Nt plötzlich vor einem Pferd. Südwestlich von Berlin, als der Saharastaub so durch die Luft molekült. Das Pferd ist sehr freundlich zu Nt. Und Nt fühlt sich total gut so dicht neben dem Pferd. Nt ist fassungslos, was das Pferd ihr alles erklärt, ohne zu sprechen. Binnen weniger Minuten sind beinahe alle relevanten Themen durch: Nähe und Distanz, Bedürfnisse haben und leben, wahrnehmen generell und speziell, Geben und Nehmen. Nt schwitzt. Jetzt aber rauf da. Ich will da rauf. Und los. Im Sattel schaukelt‘s gewaltig. Nt wird ein bisschen sehr mulmig, es ist heiß und sehr hell.

Und dann. Das Pferd steht. Hä? Weiter! Das Pferd geht kurz. Steht. Mhm. Weiter! Das Pferd geht kurz. Steht wieder. Was denn was denn? Zu heiß? Zu schwer? Pferde sind Fluchttiere. Dieses Pferd hier steht. Dieses Pferd steht und dreht abwechselnd und etwa viertelsekündlich die Ohren und schnauft. Nt weiß nicht, is doch blöd jetzt, wieso geht’s nicht weiter? Die Frau, der das Pferd gehört, ist sehr schlau. Sie sagt: „Nt, du, kann es sein, dass es hier ums Stehen geht?“ Nt ist fassungslos, es fühlt sich an, als spiele jemand auf ihren ausgeleierten Nerven Bass. Dann löst sich plötzlich was und sturzbacht schließlich feucht in den Staub, der extra den ganzen langen Weg aus Afrika bis unter die unbeschlagenen Hufe dieses schönen Pferdes geflogen ist. Touché, denkt Nt. Warum bin ich eigentlich so beschränkt. Hab es die ganze Zeit nicht verstanden.

Ernt ist jetzt Nt.

January 11th, 2024

Seit E und r so unerwartet urplötzlich losgezogen sind, fehlen nicht nur ein paar Buchstaben in Nts ABC. Tatsächlich fehlen exakt 50%. Und das N von Nt erscheint auch nur ganz selten groß als Buchstabe. Klein Nt hat nix begriffen, tappt weiter halb durchs Dunkel. Es fühlt sich an, als hätte jemand Nt von Kopf bis Bauch die Haut von der Vorderseite sauber mit einem Skalpell aufgetrennt und runtergeklappt. Das sieht nicht schön aus. Da geht jetzt alles ungefiltert rein ins Nt. Da sifft jetzt alles dunkelrot raus. Verletzt und offen und kaputt ist Nt. Und das geht jetzt sicher noch eine Weile so. Wenn heil werden mit verstehen zusammenhängt, dann sieht Nt schwarz: welchen Sinn ergibt denn bitteschön NOPQRSTUVWXYZ? Also außer: Stop, Strunz, Wurst, Zuvor und Zorn? Richtig. NT verkriecht sich und wartet, erwartet nichts mehr.

The weltschlechtst piece of theatre.

December 13th, 2023

Ein Aneurysma winkt an der Abendkasse. Wer versteht schon alles. Verstehen wollen nervt. Dauert zu lange. Zeit hat keine*r. Also: Egal, 2x bitte. Das Stück beginnt. Viiiiiele Zuschauer im Saal. Dunkel. Der Prolog lief wohl schon, shit. Die Bühne erinnert an existenzialistisches Theater. Ok. Krankenhaus, die berühmte Szene, wo der Arzt der Frau sagt, dass nix mehr geht, dass nie wieder was gehen wird. Dass die Familie benachrichtigt werden soll. Stille. OK. Das haben wir tausendmal im Film gesehen, der Plot ist bekannt, weiter bitte. Vorhang, Schnaps, Couch, zwei lallen was und Träne im Knopfloch. Ok. Wieder Vorhang. Och nee, jetzt das Kind. Wieso muss das immer so übertrieben niedlich sein. „Papa ist eingeschlafen, der wacht nicht mehr auf.“ Wie die das sagt. Die wirkt zu gefasst, das kaufen wir ihr nicht ab. Wo haben die die bloß aufgegabelt. Das Kind weint was von nie wieder Lego und Vorhang. Wieder Krankenhaus. Tausend Leute schniefen und schluchzen, die Mutter hätte auf jeden Fall einen Preis verdient, das röhrend-Stotternde klingt wie kurz vor Schlaganfall. Nicht schlecht. Der Chirurg zeigt Bilder, das könnte auch ein Atompilz sein… Verabschiedungsszenen, Piepen. Ob sich der Bruder doch noch ans Krankenbett traut? Kleiner Cliffhanger vor der Pause. Dann raus ins Foyer. Mettbrötchen, Prosecco, einer mampft hinten Snickers. Und weiter, von der zweiten Hälfte erwarten wir wenig. Siehst, hat er sich doch getraut, der Bruder. Jetzt weint er selig. Vorhang. Jetzt holpert’s etwas. Die, die so schlecht schauspielert, also die Mutter des Kindes und die Frau des Toten vom Anfang, wird jetzt von Umarmung zu Umarmung gerüttelt, das mit der Marionette hat sie drauf. Zack, weiter, zack weiter. Maschinell. Ein Band fließt. Es wird deutlich, dass sie als Projektionsfläche für den Schmerz der anderen benutzt wird. Vielleicht der einzig bisher brauchbare Aspekt des Stücks. Das könnte man schreiben. Wenn überhaupt was geschrieben werden sollte. Dann Bestattungsinstitut ok, sehr kalt, aus den Urnen ragen kleine Eiszapfen. Gezackt. Der Bestatter ist schmierig, neben der Tastatur ein vollgerotztes Taschentuch. Die Schwiegereltern loben sich, dieses Institut ausgesucht zu haben. Die Frau kotzt kurz hinter die Tür. Dunkel. Langsam wird es zäh. Wieder das knatternde Fließband der Umarmungen. Einmal dann Paralyse und Hilferuf der Frau. Aussicht auf die Trauerfeier. Einladungen, Ausladungen…. Es zieht sich. Eigentlich reicht es uns. Wir wollen gehen. Beim Aufstehen fällt uns auf, dass nur noch wenige Leute im Saal sind. Die fanden’s also auch scheiße. Ok. Wir sind Ernüchterung gewöhnt, eigentlich kennen wir gar nix andres mehr. Dann also wieder Kneipe.

Wo’s WIZO!

November 15th, 2023

Ernt: Ich hab’s jetz.
W.E.: Mmmmh.
Ernt: Nee, echt, ich weiß jetzt was fehlt.
W.E.: Hattest du was vergessen?
Ernt: Ja!
W.E.: Ok. Und was?
Ernt: WIZO!
W.E.: Meinst du diese Knüppelpunkband aus den 90ern?
Ernt: Ja man! Anneliese Schmidt, wie konnte ich die ganze Zeit ohne sie sein?
W.E.: Du meinst Kannibalismus als Lösung für die Probleme unserer Zeit?
Ernt: Nee, was anderes daran. Ich merk es am Kurzen, wenn der grölt: „Tut tut tut tut tut tut nochmal Schwimmbad.“
W.E.: Bitte? (…) Ah! Tod im Freibad?
Ernt: Du bist gut!!
W.E.: Trotzdem weiß ich nicht was du meinst.
Ernt: Spaß, man! WIZO ist Spassssspunk, es geht um Amüsemang, kennste? Ich meine, er-inn-erst-du-dichhhh?
W.E.: Kopf aus, Körper an, sowas mit intern Endorphindusche?
Ernt: Ganz genau. Ich wünsche mich auf ein WIZO-Konzert mit den ganzen alten Titeln. Anneliese Schmidt, 9247, Do you remember me, und hier, die haben auch ernste Titel gemacht, Brief/Telefon/Tür fand ich immer starko, Quadrat im Kreis sowieso, Die letzte Sau… meine Güte, meine ganze schöne Pubertät‘s back! „Ich bin nicht aus Hessen, ich bin hier nur zu Besuch, du kannst mich gleich vergessen, ich bin das Postleizahlenbuch.“
W.E.: …. Und nu gibt‘s nicht mal mehr Postleitzahlen…
Ernt: Es ist einfach scheiße…
(…)
W.E.: Sie sind übrigens wieder da.
Ernt: SAY WHAT?????

Wo der Lindwurm mit dem Schwanz wedelt.

July 23rd, 2023

Wo der Lindwurm mit dem Schwanz wedelt steht ein Haus, das im Sommer sieben Tage lang seine Türen öffnet. Da kommen dann alle rein, die lächeln möchten. Der Tisch steht in einem verwunschenen Garten direkt hinterm Schlagzeug und ist reich gedeckt, er schillert in den leuchtendsten und freundlichsten Farben. Hinten am Teich wohnen die Nagas, dort geht niemand mehr baden, das ist nun ihr Revier. Um den Tisch herum versammeln sich dann dreimal am Tag die Menschen, die lächeln möchten. Manche kennen sich vom Vorjahr. Oder dem Jahr davor. Oder von als alles anfing. Nicht nur dem Lindwurm ist über die Jahre die Puste ausgegangen. Doch strotzt er an diesen sieben Tagen im Sommer vor Lebenslust und sprüht sein Feuerwerk in alle Ecken des Gartens. Es kam schon vor, dass Gäste oder Teile des Hauses Feuer fingen. Erntge hält das heimlich für eine Taktik des Wurms, dank derer er sich alle anderen Tage des Jahres auf seinen Brandlocherfolgen ausruhen kann. Warum auch nicht. In seinem Alter.

Wo der Kindwurm mit der Uhr wedelt wohnen sieben Tage im Sommer diese zwei Menschen, die den Leuten beim Lächeln helfen. Sie machen das sehr leise und sehr laut, ihre Sprache versteht kein Mensch und es hat immer mit Duft zu tun und unzählige Reiskörner fliegen dann über den Hof. An diesen sieben Tagen im Sommer beschiedsrichten sie das Pingpongspiel von Heulen und Lachen vor dem Komposthaufen und alle sind so schön durcheinander. Da ist Zeit. Da ist Raum für alles was von innen kommt, nicht von außen. Manchmal muss Erntge ganz schön kramen. Einst haben die beiden Erntge ein Geheimnis verraten, das Erntge bis heute nicht verstanden hat. Vielleicht nie begreifen wird.

Wo der Sprungturm mit der Treppe trödelt fragt sich Erntge, wie sie etwas vom Flow dieser sieben Tage im Sommer in ihren Alltag gezimmert kriegt, nämlich in den stürmischen Herbst und in den klirrenden Winter und in den tückischen Frühling. Und 254 gegen 3 – wie soll das überhaupt gehen? Erntge weiß natürlich, dass ein bisschen mehr als nichts ist, aber reicht das? Kuladeva, Jangeli, Shikari und Naga… here we go. Mal sehen wie weit. Ein neues Flug-Haustier hat sich jedenfalls schon eingeklinkt und wohnt neuerdings auf dem Balkon. Vielleicht fliegt es ab und zu den Lindwurm grüßen, der mit dem Schwanz wedelt, das würde Erntge freuen.

Wegen Stromausfall.

February 9th, 2023

Es ist irgendetwas zwischen Aufräumen und Kämpfen: “Hör auf zu lachen, es geht hier um was!/ Es geht hier um Gott verdammt alles./ Ja, genau. Wie immer./ Wie neulich.”

  • Schreiben
  • Vergänglichkeit
  • Verlust, drohender
  • Keine Ahnung
  • Kulturpessimismus, generell, speziell
  • digital und analog
  • werden & würgen
  • was ist eigentlich twitter
  • Option Kosumverweigerung

Verstehen.

January 26th, 2023

Erntge hat’s gut. Liegt gestern doch unverhofft ein Appell im Briefkasten. Bunt, schokoladig, mit Einhorn. Und appelliert effektiv und laut, dass Erntge sogar versteht. Ja, man! Alles klar! Danke. Erntge hört also wieder auf mit Schmollen und Internisieren und Kuhverhalten gegenüber ihren oll-verwollknäulten Gedankenfetzen. Es stimmt ja und nützt ja nix. Es muss raus raus raus und zwar kräftig und so wirr wie es ist.

Mein Film dein Film.

November 2nd, 2022

Ich glaub, deine Leinwand ist defekt. Alles verschwommen und verzerrt. Ich kann gar nich hingucken. Schick ma bitte ´ne Anleitung.

… Nee, immer noch nicht. Die Bilder, die ich dir mal ins Album geklebt hab, … die will ich sehen! Kannst du die abspielen bitte.

… Nein. Es bewegt sich was, das schon, aber nur so mit Knitterstirn und in maulig. Das Kind hängt ständig vor der Linse, man sieht nix, nur Haare und Milchzähnchen.

… Waaas? Na was ich dir mal zum 40. geschenkt habe… da sind auch viele Schwarz-Weiß-Aufnahmen dabei, wo du immer so drauf funkelst und strahlst. Herrmannshagen und Karnin… die Zeit mein ich.

… Ver-was??? Ich hab das nicht verstanden.

… Och menno. Ja schade. Ich muss jetz auch los. Nee, is gut. Nächstes Jahr denn? Ok. Mach’s gut.

Erntge ou l’optimisme.

April 12th, 2022

Erntges Strategien, angesichts des aktuellen welt- und lokalpolitischen Geschehens nicht durchzudrehen, neigen sich dem Ende. Viele davon waren Mist. Der neuste Versuch stammt nun aus dem 18. Jahrhundert und ist von Voltaire. Die bestmögliche aller Welten gibt’s demnach nicht, doch der Held Candide kommt nach irrer Achterbahnfahrt von Enttäuschung zu Enttäuschung zu dem Schluss, „daß wir unsern Garten bestellen müssen.“ (Candide, 112). Das klingt doch irgendwie sinnvoll und handlungsanweisend. „Lasst uns arbeiten, ohne zu räsonieren“, sagte Martin, „das ist das einzige Mittel, das Leben erträglich zu machen.“ (ebda.)

Ok! Erntge verbringt also den 4. Tag infolge im Garten. Drei Dimensionen. Zwei Lieblingsmenschen dabei. Eine Hummel. Zwitschervögel. Blüten. Sound ist Windrauschen. Hirn aus, Grubber an. Handbetrieb. Echtes Unkraut. Echter Muskelkater. Wow. Der Kopf ist aus und abends angenehme körperliche Erschöpfung. … das machen wir jetzt noch ne Weile.

(Voltaire, Candide, Rowohlt Hamburg, 1957)