Von Herbst und so Litäten.

November 13th, 2021

Was haben Norma.lität und Real.ität mit Konsum zu tun. Was ist wann. Sind beides Orte, die Verbrauch feiern. Verzehr. Verlust auch. Bis irgendwas sich erschöpft. Aber dann nicht tot umfällt, sondern! Endlich klare Verhältnisse schafft. Jaaaaaa! Endlich Herbst, endlich nebliges Grau und formidabler Sprühregen von vorn. Erntge hat jetzt ein richtiges Fahrrad (sogar das Licht funktioniert!) und gurkt so durch die Normalität, die wieder Realität ist. Mit leuchtenden Blättern, die zwar sterben. Mit früher Düsternis, durch die jetzt aber helle Laternen wackeln. Mit Schnupfen, der zum Glück nur Schnupfen ist.

Ha! Auf der Straße bleibt Erntge letztens abrupt stehen. Was verwest denn da zwischen den grauen Blätterkadavern? Ogott, sind das drei kleine Spatzen, die armen Spatzen, denkt Erntge noch und wieso drei und wieso hier und was ist passiert. Aber nein! Nein, nein. Es sind keine Spatzen, die da im modernden Laubfriedhof liegen. Es ist verschimmelte Hundekacke. Puh!

Erntge macht sich bereit für diesen Herbst: er wird wunderbar.

Verstolpert. Fall.

September 22nd, 2021

Erntge hatte sich verstolpert. Oder vertreten. War irgendwie aus dem Rhythmus geraten. Bestimmt war es eine kleine Unebenheit auf dem Weg gewesen oder was kurzes Zuckendes im Fuß, sowas kommt vor. Nach dieser kleinen Flüchtigkeit war jedenfalls alles anders. Aus einem luftigen Gang war ein ächzendes Hieven geworden. Ein beherztes Ausschauen in die Weite war nunmehr unmöglich. Um Erntge herum war alles eng. Hohes dunkles Geäst verbarg die Sicht. Im unergründlichen Zähmoor tappte Erntge im Dunkeln. Zweidrei Wochen ging das so. Erntge konzentrierte sich auf ihre Vitalzeichen und … verpasste alles.

Der Traum, den Erntge dann hatte, als ihr die mit Rehhaut bespannte Trommel begegnete, war federleicht, friedlich und duftend. Der Traum, den Erntge hatte, war glasklar, ursprünglich und vollständig. Der Traum nahm Erntge in den Arm und gab ihr Kraft. Er bereitete Erntge auf den abgründigen schwarzen Schlund vor, der Erntge danach ganz und gar und aus dem Hinterhalt verschlingen sollte.

L’absenthe.

August 28th, 2021

Dass es sie gab, weiß ich ganz genau. Es gibt eine Menge Fotos zum Beweis. 100% ist sie das. Das Funkeln in ihren Augen. Das Schalkhaftige, etwas entzückend Verspieltes. Das Lust hatte. Auf Unbekanntes, auf Eckiges. Und dabei eine Wärme… allein wenn ich an die zurückdenk, wird mir warm.

Das waren Zeiten! Sie fehlt mir so.

Ich hab aufgehört sie zu sehen. Wenn ich mich mit der treffe, die aussieht wie sie… dann fühle ich mich einsam. Verlassen. Und auch betrogen. Es ist so offensichtlich! Dass sie nicht sie ist, das merkt jedes Kind.

Kann sein, dass sie sich entschieden hat, jetzt diese Frau zu sein, die aussieht wie sie. Kann ja wirklich sein. Aber… wieso! Immer Runzelstirn. Doppelter Panzer und alles komplex codiert. Keine Ahnung, irgendwas ist nicht echt.

Ich kann sie nicht mehr sehen. Jeder Moment mit ihr ist 100 Jahre lang und wie Teer. Und überhaupt wie ein Messer, das mich immer wieder sticht: sie ist es nicht. Das glaubt mir kein Mensch, wie sehr sie mir fehlt. Ich bin noch da? Ja.

Weiß auch nicht, wo ich suchen soll. Die, die aussieht wie sie, hat all ihre Klamotten geklaut. Macht einen Job wie sie, unterschreibt mit ihrem Namen.

Ich will nicht aufgeben, aber es ist unsagbar schwer. Wenn ich sie nur einmal wieder treffen könnte: ihre weiche Hand auf meiner, ihr schönes Lächeln nur für mich. Ihre unfassbar witzige Frische. Oder. Wenn ich wenigstens ganz sicher wüsste, dass die, die aussieht wie sie, glücklich ist. Oder wird. Und dass ich nicht schuld bin. Dann könnte ich meinen Frieden damit machen. Dann ja.

Schlüpperkommando.

August 15th, 2021

Erntge hat sich 2 Jahre lang überlegt, wie Muttitum geht. Anfangs ist ja alles sehr biochemisch und unfassbar. Unfassbar gut, wenn es schier übers eigene Selbst hinauswächst und in bis dato unbekannter Verzückung gipfelt. Unfassbar schlecht, wenn es sich vordergründig in Verzicht und Verfall zeigt. Na jedenfalls. Nach zwei Jahren ist Erntge weiter ohne Ahnung, aber mehrere Wörter mit Anfangsbuchstaben „V“ wiederholen sich verlässlich freundlich in den sich stets widersprechenden Antworten.

Eine Sache zum endlos gedanklich Draufrumkauen ist ja die Frage nach Identität und Rolle. Herrje. Wo fängt Mutti an, wo hört Erntge auf, was will Erntge, was wollen die anderen, was wollen die anderen das Erntge wollen sollte, was will der Markt, usw. usf. Puh. Und dabei sind wir hier noch im klassischen heteronormativen Kontext, wie halten das denn nur andere Menschen aus!

Was ja immer hilft ist Lesen. (Die Frage nach der Zeit dafür muss an dieser Stelle leider vernachlässigt werden, weil: ist keine da.) (Wer ohne Zeit ist, verliert schneller als gedacht jedweden Kontakt zu angesagter Popkultur.) (Da braucht es junge Menschen im näheren Umfeld und mindestens 1 Christinlein Brilliant, um diesen Kontakt zu pflegen.) (Erntge schätzt sich glücklich, gleich in beiden Bereichen gut aufgestellt zu sein.) Also liegt auf Erntges Tisch jetzt das Commando Culotte von Mirion Malle. Ein großes Glück! Mirion Malle zeichnet spritzig, abwechslungsreich, ironisch. Lässt genügend Raum fürs Selberdenken, die Texte sind ist witzig und dicht. Und gelernt hat Erntge auch gleich was: Erstens: dieses Buch gibt’s noch nicht auf Deutsch, wieso nicht, es sollte ein Standardwerk für feministische Medienpädagogik werden. Zweitens: der Bechdel-Test!

Um rauszukriegen, ob weibliche Figuren in Filmen/Serien/Büchern vorurteilsfrei und überhaupt repräsentiert werden, kann dieser einfache Test gemacht werden, bei dem nur drei Fragen beantworten werden müssen: 1. Gibt es zwei Frauen mit Namen? 2. Sprechen diese Frauen miteinander? 3. Sprechen sie über etwas anderes als Männer? Dreimal ja ist schon bestanden. Es gibt auch eine Liste zur Orientierung. Die schlechte Nachricht: nur einer von Erntges drei Lieblingsfilmen hat bestanden, neeeeeiiiiiiin.

Wenn Erntge mal wieder Zeit hat, übersetzt sie erst Malles Buch „Schlüpperkommando“ und entwickelt dann den Bechdel-Erntgo-Mutti-Test und schaut sich alle Filme (mit Chips!) an, für die sie jetzt keine Zeit hat und untersucht dann total empirisch und fundiert, ob und wie Muttitum in aktuellen Medien dargestellt wird. Und wenn sie sich dann vom Ergebnisschock erholt hat, ersetzt sie in jedem Songtext „Mama“ durch „Papa“ und sprüht zwei von drei an eine Hauswand ihrer Wahl. So.

Woanders, nicht tot.

August 9th, 2021


„Enrico, du siehst fertig aus. Erzähl mir alles. Was. Her mit den Verheißungen, den Zerreißungen. Dem ewigen Fragen und dem immer Probieren und was am Ende ist und bleibt. Schnaps?

… Achso ja, wir müssten Termin machen, spontanski kriegst du mich nicht mehr. Das inzwischen kompletto over and out. Funken und Morsen passiert im Halbschlaf und die immer neuen Alphabete durchschau ich doch nicht mehr.

… Wach? Ich? Hör auf, gleich flenn ich.

… Fern von Zeit.de und Tagesschau ist es gut. Still Glüxpilzin, weißte doch. Die Blase funkelt in freundlichen Farben: achtsam—smaragd, nachsichtig—violett, knisternd—beige. (Also auf Arbeit. Zuhause fluoresziert es öfters.)

… Eben nicht! Für Zynismus hab ich doch gar keine Wut übrig. Den Fehlfarben hab ich das ja übrigens mal vorgeworfen, direkt nach dem Konzert in ihre schnöde süffisante Glückseligkeit. Jetzt schäm ich mich. Und frag mich, wie andere im Park joggen, als wär das das Normalste der Welt. Wenigstens trink ich wieder.

… kann es sein, dass schon wieder nur ich erzähl? Ist das schon NLP von dir?

… das letzte Konzert, das ich verpasst hab, waren Tocotronic. Das mir und andern Dinge Schönreden hab ich aber inzwischen perfektioniert, könnt ich direkt nach Tokyo mit, wär das nicht schon vorbei und ich nich so fuzzy wegen dem ganzen Coronashit. Du auch? Keine Ahnung, es ist echt bescheuert und seitdem irgendwie immer latent Paralyse, findst nicht auch?

… also gut. Berlin, ja? Ich hasse Berlin. Ich komm. Sag wann.“

wer bist du wie wars

September 10th, 2019

Ok, also ich soll hier diese Umfrage machen. Vielleicht war ich ja gar nicht auf der at.tension#8! Nagut, also los. Ich bin ein komplexes Kulturangebot. Wenn du’s runterbrichst und Kunst so definierst, dass jede/r reinliest was er/sie will, dann bin ich sowas wie ein löchriger Käse. Um im Bild zu bleiben: nicht alle mögen wie ich rieche und einige gehen auch direkt an mir vorbei in die Gemüse- oder Fleischabteilung. Am liebsten tummel ich mich im Abseits und ich freu mich, wenn sich Leute nach mir auf die Suche machen. Auf ihre leuchtenden Augen, wenn sie meine Sprache in Ansätzen verstehen. Die fragen mich dann auch nix Bescheuertes, die kieken einfach, sind unaufdringlich und nicken mir komplizenhaft-schelmisch zu. Ich mag die. Für genau die bin ich da. Die würden nie Selfies mit mir machen und irgendwo in eine onleine hipster-Scheiße reinladen. Denen geht es wie mir um den Moment. Wenn plötzlich alles oder was aufgeht.

Endlich fragt jemand! Ohne zu übertreiben: ich bin sowas wie der Puls der Zeit. Ich bin wahnsinnig international. Und polyglott. Jede/r kann mich verstehen, ich bin für alle da. Ich kann höher, tiefer und in alle Richtungen. Am wohlsten fühle ich mich in Menschentrauben und allen steht der Mund offen. Das kann ich nämlich gut: ich bin so effektiv und schaffe allseitige emotionale Beteiligung in weniger als 2 Minuten. Meistens krieg ich sie alle und die meisten finden, ich sei mein Geld wert. (Alle die behaupten, es ginge bei Kunst nicht um Geld, sind Schnacker oder Millionäre.) Wenn der Jetset mich ausleiert, dann hab ich Licht und Ton in der Trickkiste immer dabei. Wie gesagt, ich krieg sie alle. Auf Wunsch spiel ich auch auf Hochzeiten und Familienfeiern. Wie gesagt: ich bin für alle da. Sozial is mir halt mega wichtig!

Umfrage! Müssten wir eigentlich verweigern. Wir sind sowas wie die Chaospolizei. Wir versuchen an Leuten zu rütteln, indem wir ihnen ihr regelkonformes Verhalten vorwerfen. Also als Beispiel: wir brüllen Menschen auf Rädern hinterher, sie sollten gefälligst Schlangenlinien fahren. Oder husten Leuten in den Nacken, wenn die so akkurat rumstehen. Unser Job is übrigens gar nicht so leicht, weil immer alle so drauf getrimmt sind und werden, sich an Regeln zu halten, statt sie zu brechen. Meistens gibt es immer die gleiche Reaktion auf uns: erst zucken alle zusammen, dann lachen sie erleichtert.

Und das is hier wirklich anonym? Ich hab echt kein Bock auf Stress. Das muss anonym sein, sonst mach ich‘s nich. Also gut. Ich bin der Arsch, der sich in der letzten Minute immer in die Schlange ganz vorne stellt und dann in die Veranstaltung reinkommt. Im Gegensatz zu den Idioten, die da Stunden vorher und so beschissen hippiemäßig auf der Wiese hocken und brav warten. Selber Schuld. Diese Spackos. Ich weiß nich, aber dieses ganze Gutmensch-Achtsamkeits-Gemeinschaftsmärchen … also ich glaub da nich dran. Ich zahl doch nich 95 Tacken für rumsitzen. Nä. Ich mein, wer da Bock drauf hat, bitte. Ich nich. Und es hat sich übelzt gelohnt: ich hab sie alle gesehn: Laura Murphy, alle Adhoks, die Riesenpuppe – alles. Also ich fand‘s geil dies Jahr. Außer die Fressstände, ey da müsst ihr echt was machen. Außer Mecklenbörger alles scheiße überteuert und zu lange warten.

Erntge zu Gast.

July 29th, 2019

Sind die Löffel echt aus Gold?
– (Kicher.)

Von wem ist das Bild vor eurem Fenster?
– Pah!

Angenehm kühl hier, ich mein, woanders sind jetz 40 grad.
– Nicht wahr.

Irgendwie knittert meine Stirn so.
– Wir lieben dich Erntge. Du bist wunderbar. Möchtest du Torte?

Eigentlich… ja! Schieb rüber. Geil, das ist Sachertorte?
– Aus Österreich.

Hmmm. Aber wieso geht mein Stirnknittern nich weg?
– Die Yacht kriegst du uns nicht ausgeredet, vergiss es.

Und zögere bloß nicht.

January 16th, 2019

Sie kritisiert deine Frisur? – Lass dir die Haare färben wie sie.
Sie schimpft über Rihanna? – Fang an, Rihanna zu hassen.
Sie braucht deine Leber? – Mach einen Termin beim Chirurg.
Sie möchte ein Date mit deiner Liebe? – Zieh ihm sein bestes T-Shirt an.
Sie findet deinen Urlaub gut? – Überschreib ihn ihr.
Sie hat ihre Wohnung zerlegt? – Biete ihr deine an.
Sie will dein erstes Kind? – Gib es ihr.
Und sag irgendwas mit „von Herzen”.

Erntformation.

December 30th, 2018

Es war ein winziger Schnitt. Selbst der Haarspalter, der mit dem Mikroskop daherkam, äußerte sich nur vage. Kaum traute sich Erntge das Glauben, bestärkten sie sogleich die drei austretenden Blutstropfen. SIE hatte nur einmal angesetzt: ein kurzer, lustvoller Stich in die Ferse. Weh tat es nicht. Es kribbelte nur sehr, als SIE geschwind die spitzen Finger zwischen Haut und Fleisch schob und das letztere vom ersteren trennte. Ganz sauber stülpte SIE Erntge um. Erst den linken Fuß, linke Ferse, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel. Dasselbe auf der rechten Seite. Kehrte Erntges gesamtes Inneres nach außen. Kein Organ war mehr an seinem Platz, einige baumelten verzückt vor der nun sichtbaren Wirbelsäule. Erntge hatte mit mehr Sauerei gerechnet, aber die Angelegenheit kam ihr nun ziemlich sauber vor. „Die Schleimhäute musste bisschen feucht halten, am besten viel Ostsee, das Salz schützt dich auch vor Infektionen.”, raunte SIE, als sie Erntges Augen nach außen drehte. Dass SIE einen exakten Plan zu haben schien, beruhigte Erntge ungemein: „Gut.” Erntge schaute sich um. Auf dem Regal waren noch diverse Utensilien, mit denen sie gleich dekoriert werden sollte. Geduldig, weil vorfreudig, ließ sie alles über sich ergehen.

„Eins noch,“, sagte SIE, nachdem alle Utensilien an ihrem Platz waren, „du musst noch einen Umschlag ziehen.“ In IHREN Händen hielt SIE zwei unscheinbare Umschläge, vielleicht waren sogar Kaffeeflecken auf dem kleineren. „Okay.“ Erntge griff nach dem mit den Flecken und gluckste kurz, als sie auf ihren Unterarm sah. Blaue Adern zogen sich über die glänzende Haut, alle Knochen lagen alle offen. SIE öffnete den Umschlag, lächelte kurz und sagte: „Alles was war, kommt zurück.“ Erntge nickte und fand das reichlich esoterisch. SIE verstand wohl und ergänzte: „Jeder Wutanfall, jede Zigarette, jedes Mal zu spät nach Hause kommen, jede Lüge, alles wirst du noch einmal erleben. Von der anderen Seite aus.“ Erntge nickte wieder und fragte sich, wie sie eigentlich ohne Zeh- und Fußnägel leben sollte. Ihr dämmerte, dass die gemeinsame Zeit mit IHR dem Ende entgegen glitt, deshalb versuchte Erntge sich zu konzentrieren.

„Was ist mit meinem Gedächtnis?“, fragte Erntge also, „wo wird das aufbewahrt? Krieg ich das danach zurück?“ Erntge schauderte. Innen kitzelte es seltsam. Gänsehaut? „Meine wilden Gedanken, die irren Bilder, die Wörter, der Abgrund, wo bleibt das alles?“ Erntge sah auf ihr Herz, das auf einmal kräftiger schlug und das Blut durch die blauen Bahnen auf ihrem Körper pumpte. IHR Blick wurde nachdenklich. Sie sagte: „Du wirst dann im Jetzt sein. Immer. Und das wird gut und nötig sein. Sorge dich nicht.“ Dann lächelte sie ein letztes Mal und verschwand. Erntge träumte IHR kurz nach und machte sich bereit. Das war das Abgefahrenste, was sie je erleben würde, so viel stand fest. Und sie würde nicht allein sein.

Drei Schachteln.

November 27th, 2018

Erntge braucht jetzt drei Schachteln.

Eine für alle schönen Unglaublichkeiten der letzten Wochen. Sie soll dunkelgrün sein, gern samtbeschlagen mit Harry-Potter-mäßig verziertem goldenem Schloss und einem passenden vier Meter langen Schlüssel. Den Schlüssel wird Erntge nicht um den Hals tragen, das wär bescheuert, aber an einem sehr sicheren Ort verstecken und Erntge wird beruhigt sein, dass auf diese Weise nichts in Vergessenheit geraten wird. Vor allem nicht das Gleißende, das Überwältigende und das schier Überbordende.

Eine zweite Schachtel soll es geben für all die kleinen Quittungen körperlichen Verfalls und Erschöpfung. Jede Stunde von Schlafmangel, Rückenschmerz oder Drüsenstau wird quittiert mit einem jeweils blauen Papier. Sie werden allesamt in dieser Schachtel gesammelt. Auch wenn es keinen Pokal damit zu verdienen gibt (oder Walkman, wie damals beim Altpapier), wird die Unmenge an Blaupapier Erntge später trösten, was sie einmal körperlich imstande war zu leisten. Blau empfiehlt sich durchaus auch als Farbe dieser Schachtel. Wegen Corporate design und so.

Eine dritte Schachtel soll es geben für alle neuen Gefühle. Sie könnte, der Hoffnung und Träumerei wegen, von Einhörnern und Regenbögen verziert sein, das wäre nicht kitschig, nicht kindisch, sondern gut so. In dieser Schachtel werden sich alle neuen Ängste, Freuden, Gelassenheiten, Wutanfälle und bisher unbekannte Verzweiflungen die Hand reichen, in welchem Aggregatzustand auch immer.

Dann wird Erntge drittlings aus der Hängematte auf ihre Schätze schauen, lächeln, und sich wie ein sehr reicher Mensch fühlen. Das wird großartig.